(nicht)über uns.

(nicht)unser Kaffee. (nicht)unsere Namen.*

*In der Wissenschaft steht vorn, wer am meisten beigetragen hat. Bei uns auch. Deshalb kommen zuerst die Farmer:innen.

Oliver Kishero.

Oliver (gesprochen Olivia) scherzt gerne, Kaffee sei ihr zweiter Name. Aufgewachsen auf einer Farm, der Vater ein Kaffeeliebhaber — seit 1989 ist sie selbst Kaffee-Bäuerin. Oliver ist eine Challengerin, durch und durch: Schon in jungen Jahren, in denen ihr das Leben nicht leicht gemacht wurde, nimmt sie Raum ein, wo andere lieber schweigen um den Status-Quo verändern: Sie war jahrelang Teil der Gumutido Coffee Cooperative und wurde dort zum Treasurer gewählt — als einzige Frau in einer sonst rein männlichen Leiterschaft. Diese Erfahrung hat sie stark geprägt: was weibliche Repräsentation ausmachen kann und wie es ist, wenn sie fehlt.

Ihre sieben Kinder hat sie auf der Farm großgezogen und mit Kaffee erzogen. Dass ihre harte Arbeit sich ausgezahlt hat, darauf ist sie stolz: alle sieben haben studiert — von IT bis Business Administration; eine Tochter ist Anwältin, eine studiert Medizin.

Oliver bleibt, was sie ist: stolze Farmerin. Und sie will weiter prägen — ihr Umfeld, ihre Region. Dabei betont sie: die Realität einer Frau unterscheidet sich stark von der der Männer. Kaffee ist so oft harte Frauenarbeit, doch Männer besitzen Farmen und verwalten Geld. Repräsentation, Anerkennung, Selbstbestimmung: Oliver will, dass Frauen ihren fair share erhalten — und arbeitet daran stetig durch Mentorships, Trainings, Mikrokredite und den Aufbau einer eigenen Kooperative. Unten stehen weitere Frauen, die Teil dieses Netzwerkes und ihres Kaffees sind:

Frederick Kishero.

Frederick ist Olivers Sohn — und man merkt ihm an, dass er mit Kaffee aufgewachsen ist. Ein entspannter Typ, ruhig, ohne etwas beweisen zu müssen. Den Stolz hat ihm seine Mutter in die Wiege gelegt. Er experimentiert, verhandelt und managed: Wo Oliver ihren Arabica klassisch anbaut, probiert Frederick aus: Sein aktueller Favorit ist ein Natural Anaerobic – eine Aufbereitung, die Geduld und Präzision verlangt und einen Kaffee ergibt, der anders schmeckt, als man erwartet.

Wie so oft die nächste Generation, denkt er weiter: Er ist Teil eines Röst-Hubs in Mbale und dabei, eine eigene Brand aufzuziehen. Kaffee nicht nur anbauen, sondern rösten, benennen, verkaufen. Die Wertschöpfung mehr dorthin holen, wo die Bohne wächst. Das ist seine Vision.

Grace Nkalubo.

Grace ist Teil des Hope Coffee Netzwerkes. Früher war Kaffee für sie vor allem ein kulturelles Gut – etwas das man anbaut, trinkt, das zum Alltag gehört, aber nicht zum Einkommen. Heute ist er ihr zweites Standbein. Ein Einkommen, das planbar ist, verändert, das vieles möglich gemacht hat: Mittlerweile betreibt sie zusätzlich einen Hardware-Shop.

Ihre Mitgliedschaft bei Hope Coffee heißt konkret: Zugang zu Trainings – für die Farm wie für die Finanzen. Zugang zu einer Bank und zu Krediten. Zugang zu Maschinen. Zugang zu Käuferinnen – zu uns.

Mike Lubambula.

Auch Mike ist Teil von Hope Coffee. Vom Erlös seines Kaffees hat er sich ein Haus gebaut – direkt neben seinen Kaffeebäumen. Man muss das Bild nicht erklären: Das, was er anbaut, und das, was daraus geworden ist, stehen nebeneinander auf demselben Stück Land. Kein Umweg über Spenden, keine Hilfe von außen – sein Einkommen, seine Bäume, sein Haus. Das ist der Unterschied, um den es bei Hope geht: nicht Kaffee, den irgendwer irgendwo billig abkauft, sondern Kaffee, der dort etwas aufbaut, wo er wächst.

Massa Ahamed Muffi.

Massa ist Teil der Bufumbo Organic Cooperative – anders als Oliver oder Frederick nicht allein auf der eigenen Farm, sondern eingebunden in eine Genossenschaft. Angebaut wird biologisch, aber das Entscheidende ist das Wörtchen davor: gemeinsam. Gemeinsame Maschinen, die sich einzeln niemand leisten könnte. Gemeinsame Projekte, die mehr bewegen als eine Farm allein. Gemeinsamer Export – als Gruppe verhandelt man anders, als wenn man mit ein paar Sack Kaffee allein am Markt steht.

Das ist die Idee hinter der Kooperative: Zusammen hat man mehr Macht. Bio-Anbau, der sich rechnet. Zugang zum Weltmarkt, der sonst verschlossen bliebe. Und ein Preis, der nicht davon abhängt, wie klein oder groß die eigene Ernte ausfällt.

(nicht)unbeteiligt.

(nicht)unbeteiligt.

Denn Kaffee ist ein Gruppenprojekt. Nur klammert der Handel oft die Falschen aus.*

*Das (nicht) in (nicht)unser kaffee steht bewusst in Klammern — weil auch wir einen Teil der Kette abdecken. Im wahrsten Sinne ist es nicht unser Kaffee: angebaut haben wir ihn nicht. Und gleichzeitig ist es, vom Moment an, in dem wir Oliver, Frederick, Hope Coffee bezahlt haben, bis zu dem, in dem du ihn kaufst, rein rechtlich unser Kaffee. Wem der Kaffee gehört, ist am Ende keine nur rechtliche Frage — eher eine philosophische. Eine der Repräsentation. Besitz ist nicht Urheberschaft: uns, und am Ende dir, gehört er — gemacht haben wir ihn alle nicht.

Wie man Klammern setzt, verändert das Ergebnis: Sie zu setzen heißt zu entscheiden, was zählt — und wen oder was wir ausklammern.

Tobi.

Weltoffen, Beziehungsfreudig, immer dabei Menschen zu connecten. Kennt Kaffeefarmer & Röster = direkt verbinden.

» Über meine Familie kam ich 2022 das erste Mal nach Uganda - und war überwältigt vom Reichtum des Landes: Kultur, kreatives Unternehmertum, vielfältige Natur und vor allem junge, motivierte Menschen. Ja, Armut ist dort auch Realität - nur ist die Schere noch extremer als in Europa. Die Menschen brauchen nicht einfach mehr Aid, sondern Möglichkeiten, ihre vielen Ressourcen zu nutzen und einzusetzen. Auf Augenhöhe.

Aus einer wurden schnell mehrere Reisen, dazu bewusstes Networking in Uganda - und 2023 hatte ich im Handgepäck 4kg Kaffee im Gepäck. Die Idee eines Direct Trades war geboren. In Uganda kenne ich Farmerinnen und Farmer, in Deutschland kenne ich Röstereien, Café-Besitzerinnen und viele Kaffeeliebhaber. Perfekte Connection. 2024 kam dann die erste Tonne Rohkaffee in Deutschland an. Die habe ich verkauft und viele Learnings kassiert. Das erste Label wieder beendet und weitergedacht. Gut so, sonst gäbe es (nicht)unser kaffee nicht. Austausch in beide Richtungen – Röster:innen und Kaffeefreunde nach Uganda, aber vor allem ugandische Kaffeebäuer:innen nach Deutschland. Da will ich hin. «

Lena.

Akademischer Blick auf Repräsentation und Ungleichheit & zu viele Cappuccini in Ländern, wo Kaffee nicht wächst.

» Wessen Interessen und Stimmen bei uns in der Welt zählen und warum - das hat mich schon von klein auf interessiert. Wie verteilen wir Macht - wer ist (un)sichtbar? Also habe ich Politikwissenschaft studiert und die letzten Jahre über Repräsentation und Gender geforscht. Zu verstehen, wie Ungleichheit, Macht, Stereotypen und Repräsentation sich von den großen Weltpolitikbühnen auf Alltägliches auswirken.

Für mein PhD bin ich nach Italien gezogen. Meine Liebe zu gutem Kaffee lief dort auf Höchstform, aber der “italienische” Cappuccino hat das Fass meiner Repräsentations-Forschung zum überlaufen gebracht: So oft, wenn ich Italienerinnen gefragt habe, woher ihr Kaffee kommt, war die Antwort dieselbe: “Aus Italien. Weltbeste Qualität”. Aber in Italien wächst kein Kaffee. Es gibt keinen “italienischen” Kaffee. Wenn dann “ugandischen”, “äthiopischen”, “brasilianischen”. Jemand anderes hat ihn angebaut. Woanders - und wird nicht mal genannt. Stattdessen wird sogar die Herkunft umetikettiert, das Produkt unter anderem Namen verkauft. In der Wissenschaft nennen wir das ein Plagiat - und das Ende einer Karriere. Im internationalen Handel ist es Standard: Kaffee, das älteste Plagiat des Westens. So kam (nicht)unser. Eine Marke – und gleichzeitig eine Kampagne, die im Namen zugibt, was große Teile der Branche vertuschen. Namen regieren die Welt. Und wir müssen aufhören, unsere Namen dorthin zu packen, wo sie nicht hingehören. Ohne Sichtbarkeit keine Gerechtigkeit. «

Mirjana Mandl steht uns beim Design zur Seite. Die Fotos dieser Website hat Miri Höschele auf unserer letzten Uganda-Reise gemacht. Athir Jasso röstet aktuell (nicht)unseren Kaffee. Und in Uganda sind Calvin Murungi und seine Frau Esther unsere Consultants, Reisebegleiterinnen und Möglichmacher. The list is growing...

It takes an (African-European) village.

It takes an

(African-European) village.